FFZ18 Short-List: Mario Hainzl „Beyond – An African Surf Documentary“

„Beyond“ ist ein Surf Trip entlang der westafrikanischen Küste: Von Marokko über die Westsahara nach Mauretanien, in den Senegal bis nach Gambia und an die Grenze Guinea Bissaus. Im Mittelpunkt des Films stehen die Geschichten und Lebenswelten der afrikanischen Küstenbewohner sowie der europäischen Reisenden, die den westafrikanischen Küstenabschnitt als Surfspot für sich entdecken.

Der Bezug des neuen Films von Mario Hainzl zum Surfsport dient als verbindendes Glied zwischen den Kulturen. Als importiertes Freizeitmodell erobert er auch langsam entlegene Gegenden in Westafrika und ist damit Ausdruck einer Veränderung, wie sie in Westafrika an vielen Stellen zu beobachten ist: Das Erwachsen von Jugendkulturen, das Aufkommen von Generationenkonflikten, die Eroberung des Individualismus, der Einzug westlicher Werte in die größtenteils muslimisch geprägten westafrikanischen Kulturen.

Das Surfen wird zu einer Gemeinsamkeit zwischen Zuseher und Protagonisten – eine Brücke vor dem Hintergrund unterschiedlicher Lebensmodelle. Die Route von Marokko bis in den Süden Senegals ist dabei nicht zufällig gewählt. Sie umfasst Landschaftsformen von Bergland bis Steppe, von Wüste bis Dschungel. Von der arabisch-muslimischen Kultur Marokkos, über eine sehr afrikanische Auslegung der muslimischen Lebensweise im Senegal, bis hin zu christlich und animistischen, zum Teil matriachalischen Gemeinden im Süden Senegals.

FFZ18 Short-List: Philip Gröning „Mein Bruder heisst Robert und ist ein Idiot“

Das junge Zwillingsgeschwisterpaar Elena und Robert begibt sich auf ein idyllisches Feld vor einer Tankstelle und widmet sich – ein Leitmotiv in Philip Grönings Œuvre – der Zeit. Elena hat in zwei Tagen ihre mündliche Abiturprüfung in Philosophie, eben mit Schwerpunkt Zeitphilosophie, weshalb sie sich mit Denkern wie Augustinus und Heidegger auseinandersetzen muss. Ihr Bruder Robert hilft ihr beim Lernen, aus Reclam-Heftchen, Karteikarten, Zetteln, Notizbüchlein etc., das sie um sich herum auf dem Feld verteilen. Robert gibt sich der Lektüre und dem Denken enthusiastisch hin. Elena ist pragmatischer und gleichzeitig von Eifersucht abgelenkt, denn Robert hat vielleicht mit einer ihrer Klassenkameradinnen geschlafen. Sie wettet mit ihm, dass sie noch vor der Abiturprüfung mit einem Mann schlafen wird. Was zu Verführungsszenen rund um die Tankstelle und – im letzten Drittel des Films – zu einer gewalttätigen Eskalation führt. Gröning komponiert mit der Kamera betörende Naturaufnahmen und lässt die Tankstelle als eine Art Raumschiff inmitten dieser Landschaft erscheinen.

„Mein Bruder heisst Robert und ist ein Idiot“ hatte Premiere im Wettbewerb der Berlinale 2018, wurde von wenigen Kritikern regelrecht gehasst, von vielen begeistert aufgenommen und als absolut verdienter Kandidat für den Goldenen Bären gehandelt. Wer dieses verstörende, bildschön gefilmte, heiß diskutierte Kinoereignis auf großer Leinwand erlebt, wird es nicht vergessen.

FFZ18 Short-List: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson „Undir Treno“ (Under the tree)

Liebe Fans von Film Fest Zell!

Nur mehr etwas mehr als 5 Wochen dauert es bis zum Start von Film Fest Zell! Um die Zeit bis dahin etwas kurzweiliger zu gestalten, präsentieren wir euch ab heute alle Filme von unserer Shortlist – also von jenen Filmen, aus denen wir das Programm für das diesjährige Festival auswählen.

Zum Auftakt starten wir mit einer dunklen isländischen Komödie, die uns besonders gut gefallen hat. „Under the tree“ von Hafsteinn Gunnar Sigurðsson zeigt, wie schnell nachbarschaftliche Beziehungen aus dem Ruder laufen können. Oft braucht es nicht einmal eine bösartige Bemerkung oder einen schiefen Blick. Manchmal genügt schon ein Baum, der seinen Schatten in den falschen Garten wirft. Was als typischer Streit in einem Vorort beginnt, gerät zusehends ausser Kontrolle. Der Film lief erfolgreich in der Sektion Zeitgenössische Weltkino auf dem Toronto International Film Festival 2017.

Viel Vergnügen wünschen euch
Marlene, Andreas & Johannes

Filmfestival: Vienna Shorts 2018 Von 29. Mai – 4. Juni

Die Vienna Shorts: Was 2004 als Studenteninitative im kleinen Rahmen begann, zählt heute zu den wichtigsten Kurzfilmfestivals in Mitteleuropa. Maximal 30 min dürfen die Filme bei den Vienna Shorts dauern, es gibt eigene Wettbewerbe für Spiel- und Dokumentarfilme, Animationen und Experimentalfilme und vieles mehr, die von hochkarätigen Jurys ausgezeichnet werden. Die Einreichungen zum Festival kommen mittlerweile aus der ganzen Welt, auch weil die Hauptpreise in den Kategorien Fiction / Documentary / Animation für die Longlist der Academy Awards qualifiziert sind. Das diesjährige Programm verspricht jedenfalls wieder hochwertiges Kinovergnügen für alle Filmfreunde. Einen besonderen Schwerpunkt setzen die Vienna Shorts in diesem Frühling mit einer eigenen Auszeichnung in der Kategorie 360 Grad / Virtual Reality, die 2018 unter dem Titel „Es ist in Deinem Kopf / VR the World“ erstmals vergeben wird. Also: Nichts wie hin!

Cannes: Wer gewinnt die Goldene Palme 2018?

Cannes: Französisches Savoir Vivre, Glam & Style, und immer wieder großartige Filme. Bereits zum 71. Mal ist die Croisette für knappe zwei Wochen das Epizentrum des Filmuniversums. Jurypräsidentin diesmal die australische Schauspielerin Cate Blanchett. Wir sind schon sehr gespannt auf die offizielle Preisverleihung am Samstag, den 19. Mai 2018, bei der folgende Filme ins Rennen im die Goldene Palme gehen:

Kurzfilm-Tipp: Ronny Trocker „Summer“

Summer – Ronny Trocker

France, Belgium, 2016, 7 min
  • Short Film
  • Starring: Umaru Jibirin
  • Production: Autour de Minuit / Stempel Films / International Sales: Autour de Minuit

Ein sonniger Sommertag. An einem Strand am Mittelmeer macht ein Fotograf eine Aufnahme und verewigt mit einem Klick den Augenblick: Ein junges Paar, eine kleine Gruppe, Vater und Kind… Aber im Fokus stehen nicht sie, sondern ein Schwarzer, der gerade aus dem Meer gekommen ist: Er trägt einen Parka und eine Hose und kriecht auf allen Vieren über den Sand. Für diesen Mann ist der Strand ein weiteres Hindernis, das es auf dem Weg zu einem besseren Leben zu überwinden gilt. Das Foto von Juan Medina, das um die Welt ging und den Film inspiriert hat, entlarvt mit seiner hohen Symbolkraft das Unmenschliche dieses Augenblicks.

Ronny Trocker wurde 1978 in Bozen geboren. Mehrere Jahre lang arbeitete er in Berlin als Toningenieur für Theater- und Musikprojekte. 2004 zog er nach Argentinien, um dort an der Filmhochschule von Buenos Aires zu studieren. Nach Abschluss seines Studiums kehrte er nach Europa zurück und ist seit 2006 als Videokünstler und Filmemacher tätig. Von 2011 bis 2013 arbeitete er außerdem am Studio für zeitgenössische Kunst Le Fresnoy. Weitere Filme von ihm sind unter anderem „Grenzland“, „Eiszeit“ (beide 2012), und „Die Unbefleckten“ (Gli Immacolati, 2013). (Source: http://cinema.arte.tv/de/artikel/sommer-von-ronny-trocker)

In voller Länge ist Summer ist bis 30. Juni auf Festivalscope unter folgendem Link abrufbar:

https://www.festivalscope.com/all/film/festival/belgian-online-film-festival/61-features/film/summer

Kurzfilm-Tipp: „Garden Party“ – grandios!

„Garden Party“ flog 2017 von einem Festival zum nächsten. Ich kenne kaum einen Film (insbesondere in der Kategorie Animated Short), der dermassen viele Auszeichnungen und Awards erhalten hat. Und das zu recht: Wer die Chance hat, sollte sich den Film unbedingt ansehen, es ist ästhetisch unglaublich ansprechend und besitzt eine gute Story. Auf der Webseite findet ihr ausser dem Teaser übrigens auch ein sehr eindrückliches Making of, das ich nur empfehlen kann. Auch wenn es für den Oscar nicht ganz gereicht hat: Für uns ist „Garden Party“ eindeutig der Animated Short des vergangenen Jahres. Enjoy!

„Was vom Kino übrigblieb“ Künstlerhaus Graz

Netflix, Amazon, Vimeo, Youtube: Wer früher ins Kino gehen musste, kann heute bequem in den eigenen vier Wänden die neuesten Filme und Serien konsumieren. „Patschenkino“ nannte man das früher, durchaus etwas despektierlich. Aber was bleibt vom Mythos Kino in einer Medienwelt, die sich zusehends weniger über Inhalte als deren Permaverfügbarkeit definiert? Dieser Frage widmet sich die Werkschau „Was vom Kino übrig blieb“ im Künstlerhaus Graz. Die Ausstellung – eine Kooperation des Künstlerhaus Graz mit der Diagonale und dem Österreichischen Filmmuseum – zeigt Werke aus den verschiedensten Kunstrichtungen.

Dieser interdisziplinäre Ansatz der Kuratoren Norbert Pfaffenbichler und Sandro Droschl macht Sinn: Die enorme Zugkraft des Mediums in der Vergangenheit war beileibe nicht auf die Kinos beschränkt. Viele bildende Künstler haben sich intensiv mit dem Medium auseinandergesetzt. Man denke zum Beispiel an die galvanisierten Filmrollen Joseph Beuys‘ oder die Collagen von John Baldessari.

Heimische Künstler sind in der Themenschau stark vertreten. Der junge Experimentalfilmer Johann Lurf verdichtet Logoanimationen von Filmstudios zu geballten Montagen. Ihm widmet übrigens auch die Viennale 2018 (25.10. – 08.11.2018) eine umfangreiche Werkschau. Werke von Viktoria Schmid nimmt als Ausgangsmaterial (ausgerechnet) einen Film über die Sprengung der Kodak-Fabrikshalle. Durch das Rückwärts-Abspielen der Filmrolle entsteht das Gebäude quasi aus seinen Trümmern neu. Wunderschön minimalistisch (wie im übrigen viele ihrer Werke) ist Antoinette Zwirchmayrs Beitrag. Auf alle Fälle ist „Was vom Kino übrig blieb“ eine spannende Ausstellung, und wer bis 22. April in Graz ist, sollte unbedingt im Künstlerhaus Graz vorbeischauen.

 

Kurzfilm-Tipp: „Finding Fanon“

Ein Kurzfilm in der fast apokalyptischen Umgebung des Videospiels „Grand Theft Auto 5“? Wie geht das zusammen? Diesen Bogen spannen die beiden Künstler Larry Achiampong und David Blandy in ihrer Trilogie „Finding Fanon“ Ohne viel Worte zu verlieren, präsentieren wir euch hier den zweiten Teil.

Was dahintersteckt, könnt ihr auf diesen Seiten erfahren:

Über Frantz Fanon (Text auf Deutsch)

‚Finding Fanon‘ beim Lighthouse Festival (Text auf Englisch)

‚Finding Fanon‘ beim Fuchsbau Festival (Kurztext auf Deutsch)